Hollywoodstars baden in Stutenmilch. Es gibt Berichte über eine ehemalige Popdiva, die von einem berühmten Kollegen mal ausführlich interviewt wurde (kann man hier nachlesen, sollte man eh gelesen haben, so lustig ist das). Eigentlich sind es keine Berichte, nur Gerüchte, aber man hört ja einiges, jedenfalls ließ diese ehemalige Popdiva in der für sie reservierten Suite einen neuen Boden verlegen. Die Suite hatte Teppich, sie allerdings wollte Parkett. Das ist nur verständlich, schließlich musste sie einen ganzen halben Tag lang in dieser sticken Luxus-Suite verbringen. Und wer leicht asthmatisch veranlagt ist und schlechte (irische) Haut hat, der meidet Teppich.
Eigentlich sollte jedermann Teppich meiden, selbst wenn sie in Luxus-Suiten ausgelegt wurden. Meterware bleibt Meterware, egal was man für den Meter bezahlt. Dann aber haben sie, – die Diva, ihr Management und ihre Tänzerinnen – gemerkt, dass sich der Boden nicht eignet, um bestimmte Tanzschritte für die Show zu üben. Da musste das Parkett dann wieder raus, nachts um halb zwei. Das ist noch krasser als in Stutenmilch baden zu wollen, das ist wie die mühsam herbeigeschaffte Stutenmilch zu verpönen, weil es gewöhnliche Stutenmilch ist und nicht von Lipizzaner-Zitzen abgezapfte. Und wo schafft man eine ganze Badewannenladung mit dem Gesöff hin? Am besten in die Küche damit. Und die Hotelleitung lässt daraus eine „Ungarische Creme mit frischem Waldmeister“ machen.
So war es zum Glück nicht, als ich im Hotel Adlon in Berlin auf die Schauspielerin Olivia Wilde traf. Frau Wilde ist 27 Jahre alt und sehr adrett anzuschauen, und das könnte eventuell ein Grund gewesen sein, warum ihr Steven Spielberg und Jon Favreau die weibliche Hauptrolle in „Cowboys & Aliens“ gaben. Aber Frau Wilde – die eigentlich Cockburne heißt, und darüber sparen wir uns jetzt zotige Bemerkungen, verstehen jedoch den nachnamentlichen Kunstgriff – war nicht divenhaft und nicht anmaßend, sondern gab sich unkompliziert. Sie ist eine große Pferdenärrin und hat sicherlich noch nie in Stutenmilch gebadet, die sie nicht selbst abgezapft hat, und man kann alles abzapfen, was Nippel hat.
Und sie lachte nett und scherzte und war höflich und fast so wohlerzogen wie die neue Garde deutscher Jung-Nationalspieler. Irgendwann war das Interview zu Ende, und es folgten noch weitere, mit Daniel Craig und Harrison Ford (über die man auch eine Menge berichten könnte). Und weil ich so in meinem superprofessionellen Modus war, dachte ich nicht mehr an die nette Olivia Cockburne, sondern beantworte fleißig Telefonanrufe in der Lobby, mit dem Gesicht auf den Boden gerichtet, ein Muster auf dem Teppich abschreitend, der zum Glück noch nicht durch Parkett ersetzt worden war.
Und als ich aufblickte, eilte mir Olivia entgegen, ohne Bodyguard, und sie schaute mich an und lächelte und sagte: „Hallo“ und „Thank You“ und nickte mit dem Kopf. Sie danke mir für das Interview. Und deswegen danke ich ihr jetzt und wünsche ihr eine großartige Karriere, und dass sie auch Rollen wegen ihres Talents bekommt und nicht nur aufgrund ihrer Schönheit. Und ich hoffe, dass sie mich nicht Lügen straft und irgendwann Parkett verlangt, wo zuvor Teppich war. Aber das wird sie sicher nicht. Und wenn, dann wird sie ihn eigenhändig verlegen.
Erschienen auf brash.de
