Gibt es was Schöneres, als nach einem harten Tag im Büro, einer stressigen Seminararbeit oder einer fröhlichen Schulhofprügelei in etwas Bequemes zu schlüpfen und die Füße hochzulegen? Natürlich nicht. Wir verspüren dieses Bedürfnis, seit wir aus dem Urschlamm gekrochen kamen, und wir besitzen nun auch genug Freizeit, um ihm nachzugehen. Die passenden Filme für dieses Wohlgefühl liefert seit 16 Jahren Regisseur Michael Bay. Es sind Filme, bei denen wir nicht nur die Füße, sondern auch das Gehirn hochlegen können.

Die Bewegbildkarriere von Bay startete mit Musikvideos und Werbung. Mit seinem ersten Film, der Buddy-Action-Komödie „Bad Boys“, landete er gleich einen Überraschungserfolg. Das Geheimrezept seiner Filme ist dabei so simpel wie Salz und Pfeffer. Stets geht es um die ultimative Bedrohung.

Das sind mal Terroristen („The Rock“), dann wieder Kometen („Armageddon“), Japaner (Pearl Harbour“) oder aber sprechende Kraftfahrzeuge, die sich der Erde Untertan machen wollen. Angesichts einer ultimativen Bedrohung kommt dann das Beste im Menschen hervor: ultimativer Heldenmut, ultimative Begierde, ultimative heterosexuelle Männerliebe.

Auch der Spannungsbogen gleicht sich wie ein Ei dem anderen. In den ersten drei Vierteln dieser Filme lassen sich die Guten kräftig in den Arsch treten. Dann, in einem unglaublichen Schlussspurt, schlägt die Stunde des Homo Sapiens. Es sind hoffnungslos optimistische Filme, die wir brauchen, weil einem die hoffnungslos realistische Welt ganz schön den Tag versauen kann.

Michael Bays Œvre (hihihi) hat auf diese Weise insgesamt über 4 Milliarden Dollar eingespielt. Reiht man alle Nullen in dieser Summe nebeneinander auf, würde das so aussehen:

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Beeindruckend, oder?

Hör auf zu labern und sag mir, worum es geht

Aber ihr wollt ja wahrscheinlich wissen, wie der Film so war. Ein paar Floskeln vorneweg: heiße Action und atemberaubende Kurven. Einen Kampf zwischen Gut und Böse. Manchmal wissen wir nicht mehr so recht, wer nun Gut und wer Böse ist. Das ist gemein, denn wir wollten schließlich unser Gehirn hochlegen.

Die Geschichte beginnt mit einer gar nicht so doofen Geschichtsverzerrung. Das Astronautenteam um Neill Armstrong und Buzz Aldrin wurde am 20. Juli 1969 nicht auf den Erdtrabanten geschossen, um dem Iwan zu zeigen, wo der Hammer hängt. Ziel der Mission war, ein abgestürztes Alienraumschiff auf der Rückseite des Mondes zu begutachten.

Wir wissen, dass es sich bei dem Schiff um „The Arch“ handelt. Die Wahl des Namens beweist entweder, dass es den lieben Gott wirklich gibt und er den ganzen Sintflut-Quatsch auch auf anderen Planeten veranstaltet hat. Oder aber, dass dem Drehbuchautor gesagt wurde, er müsse die Sache soeinfach wie möglich machen.

Ich nehme Antwort B

Für Antwort B) sprich die dunkel dröhnende Erzählerstimme (ich glaube, es ist Optimus Prime), die aus dem Off einspringt, weil sie sichergehen will, dass wir jede Subtilität des Robo-Märchenn auch wirklich raffen. Doch zurück zum Noah der Transformers. Dieser heißt Sentinel Prime und konnte dem ultimativen Krieg auf dem Transformer-Planeten Cybertron entfliehen, havarierte aber in der Milchstraße. Sentinel Prime (gesprochen von „Mr. Spock“ Leonard Nimoy) ist nicht nur der Noah, sondern der ehemalige Anführer der Autobots.

Als die Autobots vom geheim gehaltenen Raumschiff erfahren, bergen und reanimieren sie Sentinel Prime. Sie glauben, einen neuen und mächtigen Verbündeten im Kampf gegen die geschwächten Decepticons gefunden zu haben. Tatsächlich ist Sentinel Prime wenig begeistert, vor allem diesen Menschen kann er nichts abgewinnen.

Er verbündet sich kurzerhand mit den Decepticons, um seine Rasse wiederauferstehen zu lassen. Da kommen ihm die sechs Milliarden Sklaven gerade recht, das Menschenmaterial, das er benötigt, um das zerstörte Cybertron aus den Trümmern wieder auferstehen zu lassen…

Spektakuläre Optik

Man kann von der „Transformers“-Reihe halten was man möchte. Wer sagt, Michael Bay wurde mit mehr Geschäftssinn als kreativem Talent gesegnet, wird sicher nicht für verrückt erklärt. Aber man muss dem Maître auch zugestehem: Gut aussehen tut das alles schon irgendwie.

Die Verwandlung eines Transformers – aus dem Sprung vom Auto zum Roboter und wieder zurück – ist ein Festival der digitalen Bildtechnik (Shockwave, ein monströser Decepticon, der sich wie ein Riesenwurm durch das heimgesuchte Chicago bohrt, ist sicherlich die imposanteste Menschmaschine, die es auf der Kinoleinwand zu sehen gab).

Bays Kameramann Amir Mokri macht nicht den Fehler, zu nah an die Materialschlachten der Autoroboter heranzufahren. Stattdessen gönnt er uns die ein oder andere Übersicht. Der Zuschauer weiß tatsächlich, wer wen zerschrottet. Auch der Bildschnitt ist langsam genug, um uns Orientierung zu bieten.

Gerade das war ein Fehlern des Vorgängers „Transformers 2“ – ein Film, gegen den „The Fast & The Furios“ wie Arthouse-Kino rüberkommt, der aber trotzdem Einnahmen in Höhe von 836 Millionen Dollar verzeichnet hat. Der dritte Teil ist nicht so schlecht, nur eben fast schon absurd durchgestylt.

Das modern abgerockte Appartement des arbeitslosen Sam Witwicky (Shia LeBeouf), der Weltenretter, der sich plötzlich auf einer Job- und Sinnsuche wiederfindet, würde jedem russischen Oligarchen gut zu Gesicht stehen. Genauso wie Sams neue Freundin Carly, gespielt vom britischen Supermodel Rosie Huntington-Whiteley.

Auch Carly – die von der Kamera bei jeder nur erdenklichen Gelegenheit zum Boxenluder gemacht wird, wenn sie in Untersicht langsam an ihren Beinen hochgrabbelt – gehört zum Inventar des Schlaraffenlands. Bay baut es auf, um es dann kaputtzumachen und dann wieder zu retten. Die Frage ist allein, wie das Universum gerettet wird, und nicht ob.

SPOILER ALERT!: Das Gute siegt!

Der Triumph des Guten über das Böse wird wieder viele Hundert Millionen Euros und Dollars in die Kassen spülen. Da kann es sich Bay leisten, mit John Malkovich, Frances McDormand und John Turturro drei Charakterdarsteller für kleinere Rollen zu besetzen. Sie sind der clowneske Kleister für die Effekte (→ Perlen vor die Säue).

Das gilt auch für die bemühte Sinnfindung der Hauptfigur. Sam will „das Gefühl haben, etwas beizutragen.“ Es ist eine Leere, die ein zweimaliger Weltenretter nicht in einem geistfreien und erschöpfenden Nine-to-Five-Job aufzufüllen vermag. Sondern nur in der Weltenrettung. Aber wer weiß, vielleicht gönnt er sich nach vollbrachter Tat auch eine Auszeit, legt das Hirn hoch und schaut sich einen Blockbuster von Michael Bay an. Das wäre ein schönes Ende für eine Filmrezension.

Erschienen auf: gamona.de