James-Bond-Darsteller Daniel Craig war – im Gegensatz zu seinem Kollegen Harrison Ford – erstaunlich gut gelaunt dafür, dass er die Werbetrommel für Cowboys & Aliens, einen erstaunlich schlechten Film, rühren musste. Das ist einerseits professionell, zeigt aber auch, dass der Mann, der sich seinen Waschbrettbauch nur ungern antrainiert, schlichtweg ziemlich sympathisch ist. 

Mr. Craig, sind Sie während des Shootings vom Pferd gefallen?

Daniel Craig: Gefallen? Ich? Gott sei dank gar nicht. Meiner Kollegin Olivia Wilde ist es passiert. Aber im Gegensatz zu mir kann sie richtig reiten und weiß, wie sie sich abzurollen hat. Wäre ich vom Pferd gefallen, ich wäre aufgeschlagen wie ein Stück Holz.

Konnten Sie denn reiten, als Sie die Rolle des Helden und Outlaws Jake Lonergan angenommen haben?

Jeder Schauspieler lügt, wenn es darum geht, Rollen zu bekommen. Frag einen Schauspieler, ob er reiten kann, und er sagt „Yeah!”, ob er’s kann oder nicht. Auch ich habe gelogen, als ich sagte, ich könne mit Pferden. Ich wusste, wie man ein Pferd startet und wie man es anhält, mehr nicht. Erst der Film hat mir wirklich die Möglichkeit gegeben, zu trainieren. Wir saßen jeden Morgen um sechs Uhr im Sattel und sind über die Ebene galoppiert. Und ich habe versucht, so viel zu reiten wie irgend möglich.

Ein Western hat Ihnen bislang in Ihrer Karriere noch gefehlt. Dabei sind Sie ein bekennender Western-Fan. Welchen Reiz üben diese Filme auf Sie aus?

Sie sprechen so viel an. “The Great Train Robbery”, einer der ersten Filme überhaupt, war ein Western. Für Western wurden die ersten Stunts eingeübt. Sie bestanden aus Männern, die von Pferden fielen. Sogar John Wayne begann seine Karriere beim Film als Stuntman. Außerdem waren die Filme sehr moralisch. Es handelte stets davon, was gut ist und richtig oder abgrundtief böse, und wo man sich dazwischen als Mensch befindet.

Die ersten Stunts waren Männer, die von Pferden fielen

Auf einem Pferd gibt es keine Netze und doppelte Böden. Sind Dreharbeiten zu Western deswegen gefährlicher als andere?

Möglich, und genau deswegen wollte ich den Film drehen. Es ist eine Belohnung an sich, jeden Tag reiten zu dürfen. Und das bedeutet dann auch, auf ein Pferd zu steigen, ohne Sicherheitsseil, und das ist gut, da lüftet man mal durch.

Auf einem Pferd sitzen, schweigen, stoisch aus der Wäsche gucken – reicht das aus für einen anständigen Cowboy? Oder mussten Sie für Ihren ersten Western viel Clint Eastwood gucken?

Wir hatten eine Gruppe Cowboys am Set, die mit den Tieren arbeitete, denn am Dreh waren insgesamt 50 Pferde beteiligt. Die Cowboys achteten darauf, dass sich Menschen und Tiere gut verstanden. Und, dass man richtig ritt. Sie wiesen auch mich zurecht: Daniel, sitz verdammt nochmal gerade!

Sie haben also am lebenden Objekt studiert.

Ich habe versucht, als Cowboy so authentisch wie möglich zu wirken. Und deswegen habe ich sie beobachtet. Cowboys reden wirklich nicht viel. Sie reden nicht über ihre Gefühle. Oder ihre Pläne. Erst schießen, dann Fragen stellen, so in der Art sind sie wirklich. Sie sind irgendwie aus der Zeit gefallen. Noch heute sind sie, wie Cowboys schon immer gewesen sein mussten. Sie spucken und kauen Tabak und schnitzen mit einem Messer.

Könnten Sie für die Freiheit eines Cowboys auf die Annehmlichkeiten der Zivilisation verzichten?

Um Gottes Willen. Allein die Ernährungsgewohnheiten würden mich umbringen. Es gab ja nur Beef, Bohnen und hin und wieder etwas Kaktus.

Aber Ihr Kollege Harrison Ford ist ja fast eine Art Cowboy, er besitzt sogar eine eigene Ranch.

Ja, Harrison ist ein Rancher, nein, er ist einfach Harrison Ford, The Real Deal, der Typ, der Pferde reitet und Flugzeuge fliegt. Er hat auf dem Set auch gleich zwei Pferde gekauft, sein Pferd und mein Pferd.

Er hat ihr Pferd gekauft? Wieso das denn?

Es handelte sich wirklich um zwei ganz großartige Tiere. Wundervolle Pferde, trainiert, aber nicht übertrainiert, ruhig, man kann Kinder draufsetzen, und wenn man ihnen leicht in die Flanke tritt, reiten sie los wie der Wind. Und außerdem sind es Arbeitstiere, sie lieben es zu arbeiten, man fühlt sich ihnen schnell verbunden, sie haben ihre eigene Persönlichkeit, und wenn man scheiße drauf ist, merken die das sofort. Ich bin wirklich zum Pferdenarren geworden. Besäße ich Land, ich hätte es wohl auch gekauft.

“Cowboys & Aliens” – Kinostart: 25. August 2011