„And when he died, all he left us was alone.“ Der Papa von Italo-Amerikaner und Weltkriegsheimkehrer Vito Scaletta war nur in einer einzigen Hinsicht ein Rolling Stone: weil er seiner Familie nach seinem Tod nichts hinterließ. Abgesehen von 2000 Dollar Schulden.

Und das waren im Amerika der Vierziger, in denen „Mafia II“ spielt, beileibe keine Peanuts. Um seine Familie zu beschützen und zu ernähren, lässt sich der Junior Vito – zusammen mit seinem Vetter Joe – auf eine andere „Familie“ ein. Die ist kein moralischer Halt, zahlt aber anständig und hat überzeugende Karriereberater. Und so beginnt Vitos Aufstieg in der Unterwelt.

„Mafia II“ aus den tschechischen 2K-Studios ist auf den ersten Blick ein „Grand Theft Auto“ im Vintage- Look. Wir erleben eine filmreif inszenierte Gangsterkarriere. Verfolgungsjagden in Oldtimer-Karren und wilde Schießereien mit der Polizei sowie verfeindeten Banden gehören da zum Standard-Repertoir. Als Kulisse dient das fiktive Empire Bay, ein bis ins kleinste Detail liebevoll modellierter New-York-Klon.

Wie schon bei „GTA“ gibt es quasi zwei Spiel-Modi. Wir können uns treiben lassen. Ein paar Autos stehlen, Passanten vermöbeln, durch das Chinatown der Vierziger cruisen und im Autoradio „Rock Around The Clock“ von Bill Haley hören. Da lässt sich auch die eine oder andere Schießerei mit den aufgeschreckten Bullen nicht vermeiden. Doch sobald wir das Auto verlassen, fällt uns der markante Unterschied zu GTA auf. Denn leider sind die Passanten nicht viel mehr als wandelnde Schaufensterpuppen, die stumm durch die Gegend rennen.

Es gibt so gut wie keine Nebenquests und Interaktionsmöglichkeiten. Darunter leidet die urbane Illusion ein bisschen, und die Lust am Lustwandeln verfliegt. In Anbetracht des großartigen Stadtmodells, in dem wir uns bewegen, kann man nur sagen: Perlen vor die Säue. Da empfiehlt es sich eher, dem Story-Modus zu folgen. Denn Geschichte, Dialoge und vor allem die Schusswechsel im feinen Zwirn sind äußerst lässig. Weswegen „Mafia II“ nicht so richtig als offene Welt taugt. Aber umso mehr als toller Shooter, dessen Handlungsträger uns schnell ans Herz wachsen, und dessen Action in eine stimmungsvoll erzählte Geschichte eingebettet ist. (circa 60 Euro)

Erschienen in: Musikexpress