Rupert findet, als Musiker müsse man keine Musikspiele spielen. Dass sei, wie Eulen nach Athen zu tragen, oder Kohle nach Newcastle, was zumindest der geographisch näher liegende Vergleich wäre. Denn Rupert ist kein Grieche, sondern Engländer. Er heißt Browne mit Nachnamen und singt in der Band Chikinki.

Außerdem ist er der einzige, der sich offen dazu bekennt, Videospiele gut zu finden. Die anderen Bandmitglieder, na ja – sagen wir, sie haben ihre Gründe: „Trevor (Sax) liest immer und ausschließlich. Boris (Keys) spielt nicht, weil er womöglich nicht mehr davon loszukommen würde. Und Ed (Gitarre) hat früher viele Egoshooter gespielt. Aber er befürchtete seine komplette geistige Zerrüttung und hat aufgehört.“

Das ist so nachvollziehbar wie schade, denn bei einer ordentlichen Zerrüttung gelangen auch allerhand feine Edelsteine aus tieferen Sedimentschichten an die Oberfläche. Zerrüttung ist per se nicht das Schlechteste für einen Musiker. Künstler, deren Namen wir heute in Ehrfurcht aussprechen, waren fürchterlich zerrüttet. Waren es nur die Drogen, oder kam auch Counterstrike hinzu? Rupert sieht sich jedenfalls davor gefeit.

„Ich bin Arsenal-Fan und liebe Fußball, egal auf welcher Konsole. Früher Pro Evolution Soccer, heute Fifa.“ Das klingt nach einem sehr gesunden Menschenverstand. „Das Tolle an Fußballspielen ist, dass sie nicht dein komplettes Leben absorbieren. Wenn ich den Ton ausmache, lasse ich Musik im Hintergrund laufen oder unterhalte mich mit anderen Leuten. Sie sind sozial kompatibler.“

Aber ist es nicht auch ein bisschen eintönig, nur Fußballspiele zu spielen? „Ein Medium wie ein Computerspiel ist toll für den kurzweiligen Kick,“ sagt Rupert. „Generell beeinflussen Bücher mich jedoch weitaus mehr. Spiele sind eher short time satisfaction.“ Das ist schade, denn manche Spiele können spannend sein wie ein guter Roman, sind für den schnellen Klick gar nicht geschaffen. Sie beeinflussen den Spieler sogar, wenn er gar nicht spielt, ja wenn er träumt.

„Okay, auch ich habe mal geträumt, ich sei eine Videospielfigur. Da hatte ich mir gerade Red Dead Redemption geholt, und mehrere Nächte lang ganz beschissen geschlafen.“ Das riecht ganz nach kurzfristiger Zerrüttung. „Ja, das war schlimm. Aber es ist auch ein guter Indikator, es sagt dir eindeutig, dass du zu viel spielst.“ Das klingt sehr zurechnungsfähig. Wie gesagt: schade!

Erschienen im Musikexpress, Dezember 2010