Schon als Jan Heinemann von der Berliner Instrumental-Kopfrockband SDNMT zum Gespräch in seine Küche bittet, sage ich es ihm: Es handelt sich nur um ein paar kurze Fragen, nicht etwa um ein tiefgründiges Gespräch. Es geht hier nur um Videogames. Vorab hatte ich ihn schon per Mail gefragt, welche Spiele er denn so bevorzuge.

„Ich spiele am liebsten Fifa, Metal Gear Solid, Medal of Honor, Assassin’s Creed“, schrieb er zurück. Das Standard-Repertoire also, das gilt scheinbar für Musiker wie für Nachtwächter. Interessanter war sein Nachtrag: „Ich spiele hauptsächlich auf der PSP.“ Wie zum Beweis liegt dann, ganz in weiß, Sonys oft verschmähte Mini-Konsole auf dem Küchentisch.

Ich richte also mein doppelläufiges Mobile-Gaming-Fragen-Geschütz auf ihn und feuere: Warum die PSP, und nicht etwa das Nintendo DS? „ Nintendo ist toll, hat viele schöne Spielideen. Aber die PSP fand ich damals einfach vielversprechender.“ Was spielst du zur Zeit? „Medal of Honor Heroes 2. Aber ich bin etwas enttäuscht, es gibt keine Überraschungen, der komplette Weg ist schon vorgegeben. Lieblingsspiel? „Eigentlich spiele ich am meisten Fifa. Häppchenweise spielen kommt mir entgegen. Das zeckt.“

Heinemann behauptet fortwährend, dieses oder jenes würde zecken. Das erfolgreiche iPhone-Spiel Angry Birds etwa: „Was, du kennst das nicht? Das zeckt schon. Die haben Hunderfünzigtausend in die Realisierung gesteckt und locker zehn Millionen wieder rausbekommen.“ Nur kurze Zeit später meint er, dass auch Zocken auf einem HD-Beamer zecke. Was ich auch nur bestätigen kann. Die zecken inzwischen sogar schon für unter tausend Euro, in voller Auflösung.

Jan kennt sich mit Spielen ganz prima aus, und weiß auch um ihre zersetzende Wirkung auf sein Sozialleben. Daher vergleichen wir, wo wir gerade schon dabei sind, die vermeintliche Handlungsfreiheit in „World of Warcraft“ mit der vermeintlichen Handlungsfreiheit in der echten Welt. Oder überlegen, wie perfekte Game-Soundtracks aussehen könnten, sowohl für ein Schleich-Spiel („So ein pam pam, das dann intensiver wird, um Spannung aufzubauen“) als auch für Action-Titel („Hans-Zimmer in Nu-Metal“).

Das Kurzinterview wird zum Rundumschlag, dabei geht es ja nur um Videogames. Aber im Namen all der blutsaugender Milbentiere, die ja auch ein bisschen leiden unter ihrem schlechten Image als beliebtes Nazi-Schimpfwort: Das war schon zeckig.

Erschienen im Musikexpress, Februar 2011